Donnerstag, 12. Juli 2012

Song of the Exile

Das Lied 'Song of the Exile' kannte ich bereits längere Zeit bevor ich den Film kannte (Ich habe den Film dann geguckt um zu sehen an welcher Stelle das Lied kommt). Der Text und auch die Melodie haben mich direkt berührt. Nach Hause kommen. Wie wunderbar das klingt: dort sein wo man sein darf, wo man willkommen ist, dort sein wo man sich auskennt und sich wohlfühlt. Vielen Naturvölkern ist ihre tiefe Verbundenheit mit dem Flecken Erde auf dem sie geboren wurden noch so nah und bewußt. Ich denke nicht, dass diese Verbundenheit verloren geht, sie gerät nur aus den Augen, dennoch ist sie etwas das wir mit der Geburt geschenkt bekommen, ganz gleich welche verschlungenen Wege das Leben danach auch nimmt. Es ist jederzeit möglich in diese Verbundenheit zurück zu kehren auch wenn der Weg einem manchmal länger vorkommt als zu anderen Zeiten. Und manchmal, da öffnet sich einfach ganz unvermittelt eine Tür, durch eine Wahrnehmung, eine Nebensächlichkeit oder eben auch durch ein kleines Liedchen. Als ich auf der Suche nach dem vollstänigen Text des Liedes war um es zu singen, stieß ich darauf, dass viele Menschen sich ebenso von diesem Lied angesprochen gefühlt haben. Nach Hause kommen. Ich wollte das Lied unbedingt auf deutsch singen, habe jedoch keine vollständige deutsche Übersetzung gefunden. Daher habe ich den zweiten Teil des Liedes nach eigenem Gutdünken und wie es in die Melodie passte übersetzt. Es kann also sehr gut sein, dass es noch andere deutsche Versionen mit anderem Wortlaut gibt. Die Trommel fand ich für so etwas ursprüngliches wie die Sehnsucht danach nach Hause zu kommen als Begleitung am naheligendsten.

Liebe Grüße
und ein sicheres nach Hause gehen
Eure Mariamne


Donnerstag, 10. Mai 2012

Gundermann das Pflanzen-Heinzelmännchen

Gundermann blüht zur Zeit überall

Kein Baum grünt ohne Kraft zum Grünen. Kein Stein entbehrt der grünen Feuchtigkeit. Kein Geschöpf ist ohne diese besondere Eigenkraft: die lebendige Ewigkeit selbst ist nicht ohne Kraft zum Grünen.
(Hildgard von Bingen)

Es ist schon viele Jahre her, da begegnete ich der kleinen Persönlichkeit des Gundermann während eines Landfrauenwochenendes im Odenwald. Wir Frauen flochten Kränze daraus und setzten sie uns auf den Kopf. In den alten Zeiten als der alte und der neue Glauben noch viel offensichtlicher als heute miteinander verwoben waren, glaubte man, wenn man sich sonntags in der Kirche einen Gundermannkranz auf den Kopf setzt,  konnte man diejenigen Frauen die in der Woche zuvor zauberischen Dingen nachgegangen sind, leicht über dem Boden schweben sehen und sie somit entlarven. Noch weiter zurück in der Gegend um den Harz herum, findet man das Gundermannkränze binden in Verbindung mit der Walpurgisnacht (Kranzkraut, Erdkränzel):

Ein Dienstmädchen hörte, dass eine Frau eine Hexe sei, und um die Wahrheit zu erfahren, wand sie am Sonntag nach Walpurgis einen Gundermannkranz, setzte ihn auf und ging in die Kirche. Sie war die erste drin und die erste wieder draußen, und sah nun, wie ihre Frau und viele andere Frauen des Dorfes auf Besen und Ofengabeln aus der Kirche geritten kamen. Doch sobald die hexen den Gundermannkranz auf dem Kopf des Mädchens bemerkten, fielen sie darüber her und zerschlugen es so, dass es am folgenden Tag starb.
(Unsere Heilpflanzen, Heinrich Marzell)

Die Grausamkeit der entdeckten Hexen in dieser volkstümlichen Überlieferung ist ein auch in Märchen und vielen Vokserzählungen weit verbreitetes Phänomen, welches Kräuterwissen bzw. die damit in Verbindung stehenden Frauen verunglimpfen sollte. Darüber braucht man sich keine Sorgen zu machen, es entsprach der damaligen Art und Weise die Diskrepanz zwischen altem und neuem Glauben zu Gunsten des einen oder anderen aufzulösen (man bemerke, dass das Dienstmädchen, in dem sie den Kranz aufsetzt selbst einen zauberischen, hellseherischen Akt vollzieht).

In kaum einem anderen Kraut spiegelt sich das Mysterium des Grünen als allgegenwärtige, heilende und gute Kraft so sehr wie im Gundermann. Am Gründonnerstag gab es, es ist noch gar nicht so lange her, in den meisten Haushalten eine grüne Suppe, welche aus neun ausgewählten Kräutern zubereitet wurde. Die neun Kräuter verkörperten die guten Haus- und Hofgeister und sollten den Menschen in guten und schlechten Zeiten und in Not ihre Hilfe als Heinzelmännchen anbieten. Ein ableger dieser Gründonnerstagssuppe ist sicherlich auch die Frankfurter Grüne Sauce. Gundermann gehörte schon immer als einer der wichtigsten Bestandteile in die Gründonnerstagssuppe, da er sich gerade in Nähe von Haus- und Hof im Frühling gern verbreitet. Nach einem langen, harten Winter versprach er nun neue, übersprießende Lebenskraft und Gesundheit. Er beschützte und reinigte von schlechten Einflüssen und vor auszehrenden Krankheiten.

Wer sich nun noch fragt, welche acht anderen Kräuter noch zu dieser Kraftsuppe gehörten, soll nicht im Ungewissen bleiben, es waren:
  • Gundermann
  • Brenessel
  • Spitzwegerich
  • Gänseblümchen
  • Vogelmiere
  • Guter Heinrich
  • Sauerampfer
  • Löwenzahn
  • Schafgarbe

    in manchen Rezepten findet man auch 
  • Kerbel
  • Bachehrenpreis
  • Bärlauch
  • Pimerpernelle
eben solche Pflanzen die in unserer unmittelbaren Umgebung zum Anfang der warmen Tage aufblühen und tausendfachfach gedeihen und die im Sinne Hildegard von Bingens das übersprühende Leben und die Fülle der Natur für uns greifbar machen.

Woher kommt nun der Name? Der Gund war im germanischen Sprachgebrauch eine Bezeichnung für Eiter und bezeichnete damit eine ganze Klasse von Krankheiten, welche allesamt mit eitrigen Wunden, und schwer heilbaren Infektionen in Verbindung stand. Die Personifizierung als Gundermännchen rührt nun daher, dass dieses Kraut viele solcher Krankheiten zu bessern und zu heilen vermag und vielfältig eingesetzt wurde. Gundermann ist ein guter Pflanzengeist.

Auch heute noch können wir in der Naturheilkunde die vielfachen Anwendungsgebiete beobachten. Aufgrund seines Gehaltes an Gerbstoffen, Bitterstoffen und Ätherischen Ölen wirkt er zusammenziehend, schleimlösend, anregend auf Nieren und Blasen, regulierend auf den Stoffwechsel.
Außerdem schmeckt er fantastisch im Kräuterquark, wie wir ja schon öfter in den schönen Tagen auf der Happy Marry feststellen konnten, wo wir für die Lagerfeuerkartoffeln noch reichlich Gundermann zum Kräuterquark gesammelt haben und frische Minze für den Tee.

Wer nun auch Lust hat mit dieser Persönlichkeit zu kochen. Hier eine leckere Kartoffelsuppe:

Du brauchst 5 große Kartoffeln, 1 Karotte, 1/2 Sellerie. Diese Gemüsen in Würfel schneiden und in Salzwasser garen. 1 kleine Zwiebel mit 100g Schinkenspeck in einer Pfanne anrösten und dann eine handvoll Brennesselblätter hinzu geben. Alles mit 50g Mehl bestäuben und noch ein wenig weiter rösten. Wenn alles gut duftet, das ganze mit dem Kartoffel-Gemüse Sud aufgießen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Zum Schluss 3 Handvoll Gundermannblätter hacken und in die Suppe einrühren. Wer will mit einem klecks sauerer Sahne oder Schmand servieren.

Nerthus' Schlaf

Alte Postkarte die Sigfied in der Wagner Szene Waldweben zeigt.

Nerthus' Schlaf 

Im tiefen Walde sitzend, im Klang versunken ganz 
Spielt' ich einst innig horchend, auf meiner Schalumei, 
Da trat aus grünem Dickicht, in sonderbarem Glanz, 
Gehüllt in bleichen Nebel, ein Weib zu mir herbei.  

Laß ab von mir, du Kühle - Dunkle aus der Tiefe, 
Zu wenig Sommer sah meiner Augen Licht, 
Wenn nicht ihr Schmerz, durch meine Adern liefe, 
So sagte ich Dir: ich komme nicht! 

Mit großen Augen blickend, gar traurig und sehr sanft 
Zeigt sie mit schmalem Finger, mein zitternd Instrument, 
von tiefem Hauche klingend, dass sich mein Herz verkrampft,
Spielt es von selbst die Weise, die meine Seele kennt. 

Das Lied erzählt von Liebe, im Augenblick entbrannt, 
auf einmal war sie alles, mein Licht und meine Welt, 
Ich ging um sie zu werben, gar kühl ihr Blick entschwand, 
Ließ mich zurück im Dunkeln, wo Hoffnung schnell zerfällt.  

Laß ab von mir, du Kühle - Dunkle aus der Tiefe, 
Zu wenig Sommer sah meiner Augen Licht, 
Wenn nicht ihr Schmerz, durch meine Adern liefe, 
So sagte ich Dir: ich komme nicht! 

Doch wieder, immer wieder, entschwand ein neuer Augenstern, 
durch Eitelkeit und Kühle, durch Arg und schönen Schein, 
nicht lang da fühlt ich innen, gar steinern meinen Kern, 
so goss ich in die Becher, nur bitter bittren Wein. 

Und dann geschah das eine, so zart war sie, mit lieber Hand, 
doch strafte ich ihr Lächeln, mit Hinterlist und Hohn, 
so fiel sie in das Dunkel, ihr Herz die tiefe Gram verbrannt, 
und dann vor ihrem Grabe, empfing ich meinen Lohn. 

 Laß ab von mir, du Kühle - Dunkle aus der Tiefe, 
Zu wenig Sommer sah meiner Augen Licht, 
Wenn nicht ihr Schmerz, durch meine Adern liefe, 
So sagte ich Dir: ich komme nicht! 

Sie war das einzig wahre Liebchen, das wahrlich mich gesehen, 
all anderen waren blind und kalt, und diese wollt ich finden 
Weil ich nicht sehen wollte, ließ ich im Elend sie vergehen, 
doch nun seh ich, ich wollte, die kalte Mutter überwinden. 

Die kalte Mutter fern von mir, verstellte mir den Blick, 
Du, oh Nerthus folgtest mir, mit Mitgefühl und Glanz, 
Das eine Liebchen gabst du mir, zu wenden mein Geschick, 
Doch war ich blind und brach entzwei, was vorher heil und ganz. 

Nimm mich mit, du Warme - Mutter der Verlassenen, 
Deck zu die Schmerzen Schritt für Schritt, 
Vertreib das ewig Hassende
So sagt ich Dir: ich komme mit!

(c)Mariamne 2012