Sonntag, 21. Oktober 2007

Brief an den Fichtenwald in meiner Jugend

Ihr stillen Fichten,

wie oft war ich bei Euch? Ich kann es nicht mehr zählen. Wievieles habe ich von Euch gelernt und wievieles habt ihr mir geschenkt? Ich kann es nicht ermessen. Ihr wart immer da, wenn ich kam. Leise, geheimnisvoll rauschend. Mal klein und dicht, mal groß, wogend und erhaben mit viel Platz darunter. Platz für mich. Ich denke oft an Euch. Ihr beruhigt mein Herz. Bei Euch fand ich meine erste wirkliche Heimat die unauslöschlich in meinem Herzen verankert ist. Der Duft von Fichtenharz lässt noch heute mein Herz höher schlagen. Ihr seid still und flüsternd. Stundenlang stand oder saß ich oft da, einfach um Euch zu lauschen, weil ihr meine beunruhigte Seele sanft umflossen habt mit Euren im Wind schwimmenden, dunkelgrünen Ästen. Die Sonnenstrahlen die durch Euer Dickicht fallen sind Pfeile in mein Innerstes auf denen das Licht in meine Dunkelheit reitet und sie erhellt wo sie am finstersten ist. Letzten Winter da wanderte ich in den Alpen zur Schwarzwasserhütte und kam an eine Lichtung mit großen Fichten. Ich blieb stehen und lauschte. Sie erzählten mir von Euch, von Eurer Gemeinschaft die Euch im Innersten miteinander verindet, wo immer ihr auch seid auf der Welt. Und ich träumte von Euch und mir, wie ich unter Euren Fittichen friedlich meine eigene Kindlichkeit entdecken konnte, ungestört und beschützt. Es ist wegen Euch, dass ich so stark bin. Denn, dass ich Euch in mir trage erinnert mich auch in den finstersten Ecken meines Daseins, dass ich zur Welt gehöre, niemals aus ihr herausfallen werde, dass ihr mit mir Gemeinschaft habt, wo immer ich auch bin auf der Welt, wie alle Fichten dieser Erde.

Mariamne, Bewohnerin der Wälder

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