Samstag, 3. November 2007

Brief an die fallenden Herbstblätter



Winddurchhauchter Goldregen,

dein sanftes Rascheln läßt mich aufhorchen. Deine Blätter wehen hinfort - ins Unbekannte - und nehmen meine Hoffnungen und Sehnsüchte mit auf ihre Reise. Von fern dringt mir bei deinem Anblick, die Erinnerung an die treibenden Blüten von Linde und Pappel ans Herz, die im Frühsommer etwas begonnen, was du nun vollendest, besiegelst und zu einem vollkommenen Ende bringst. Das Jahr geht zur Neige und die Stimmen des Sommers verhallen wie das Echo längst vergangener Stimmen, in denen ich das Außen in mich aufsog. Doch jetzt kündest Du mir von der Zeit des Inneren, der Einkehr und der stillen Verwandlung, ebenso wie die dichten Nebel die morgens auf den Wiesen zwischen lichten Apfelbäumen stehen wie weiße Schatten und Tore zu einer anderen Welt, in der wir mit unseren Seelen ruhen, wo immer wir auch sind.
Wohin nur trägt der Wind deine Blätter, wenn sie vor meinen Augen in der Dunkelheit verschwinden? Wohin nur trägt mein Herz die Wünsche und Träume, wenn sie vor meinem Geiste verblassen, wie die letzten Schatten des Tages, wenn die Sonne hinter dem Horizont verschwand. Sie schweben sanft ihrer Bestimmung zu, um zu sammeln, was zum Wachstum nötig, um abzulegen was zu viel. Und eines Tages, vielleicht in einem glücklichen Moment, kehren sie zurück zu mir und durchströmen mein Sein, so ich erkenne: Ich bin ich selbst - jetzt - in diesem Augenblick.

still träumend
deine Mariamne
Bewohnerin der Wälder

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