Donnerstag, 22. November 2007

Brief an die Spinne


Bild: pixelio.de / friedling

Du Weberin von Welten,

dein Lebensraum erschaffst Du aus dir selbst in dem du den Faden spinnst und knüpfst und spinnst und knüpfst. Der Faden ist aus dir selbst gemacht und alles was du brauchst sind einige wenige Punkte in der Außenwelt auf denen du das Kunstwerk, dass du selbst bist erschaffst - ein Netz des Lebens das dir Ruhe gewährt und Nahrung bringt. So unendlich filigran ist dein Haus und doch so stark und biegsam, dass es jedem Wetter trotzt.
Fürchten sich die Menschen deshalb so vor dir? Weil du ihnen, so klein du auch bist, zeigst was ein Lebewesen aus fast nichts erschaffen kann? Weil du ihnen zeigst, dass niemand der dem Leben mit schöpferischer Kraft begegnet verloren gehen kann in der Welt, weil es überall ein paar Punkte gibt, auf denen immer wieder ganz neue Welten aus sich selbst heraus entstehen? Du liebste Bewahrerin aller Geschichten, du gibst dein Geheimnis preis und ich möchte lauschen und lernen von deiner Lebensweisheit. Möchte nicht gelähmt sein in Unfähigkeit - lebend und doch nicht lebendig. Ich möchte hören von der schöpferischen Kraft des Lebendigen in jedem Lebewesen. Ich möchte hören von den Möglichkeiten Welten aus sich selbst heraus zu erschaffen. Ich möchte hören, wie ich ein Haus für mich aus nicht viel mehr als ein paar winzigen Anhaltspunkten und mir selbst erbauen kann, wo immer ich auch bin. Ich möchte hören und lernen und werden und sein.

Lehre mich
still lauschend
Mariamne, Bewohnerin der Wälder

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