Montag, 12. November 2007

Der Zug der Wildgänse(1)

Es ist nun schon ein Jahr her, da ereignete sich etwas bei mir, dass meinem Leben eine völlig neue Richtung gegeben hat. Es war ein außergewöhnliches Ereignis. Du kannst von meiner Erfahrung denken, dass sie nur ein Traum war, dass ich sie mir nur eingebildet habe oder dass sie tatsächlich real war, oder eine Vision. Es spielt keine Rolle. Für mich war dieses Ereigniss so real, dass es in meinem Leben etwas bewirkt hat unabhängig davon, wie das Erlebnis selbst bewertet wird. Das kann nur jeder für sich selbst entscheiden. Hier ist, was mir geschah:

Es war schon ziemlich spät in der Nacht und mein Partner war schon am schlafen. Aus keinem bestimmten Anlaß fühlte ich mich unruhig und stand noch einmal auf um in der Küche etwas zu trinken. Ich stand eine Weile im Dunkeln, weil ich nie das Licht anmache, wenn ich nachts aufstehe. Irgendwie hatte ich den Impuls ins Wohnzimmer zu gehen, Licht anzumachen und wach zu bleiben. Aber dann dachte ich daran, dass ich ja am Morgen wieder ganz früh aufstehen muss und entschied mich dazu wieder ins Bett zu gehen. Ich legte mich hin und schloß die Augen. Plötzlich wurde es hell um mich herum. Ich sah einen weißen Himmel an dem ein Zug Wildgänse von rechts nach links zog. Ich sah die Dunkelheit der Schlafzimmerdecke darunter aber ich merkte wie diese sich immer mehr von mir entfernte. Ich bewegte mich auf den weißen Himmel zu und folgte den Wildgänsen. Ich hatte keine Angst, ganz im Gegenteil ich fühlte mich immer wohler und alles schien von mir abzufallen.

Dann traf mich ein Gedanke wie ein Schlag auf den Kopf. Ich dachte, halt, du kannst jetzt nicht gehen, deine Kinder sind noch viel zu klein und kommen noch gar nicht allein zu recht. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich dabei war zu sterben und eine gewisse Grenze erreicht hatte. Aber ich erlaubte mir nicht sie zu überschreiten, wegen der Kinder. So rief ich ganz laut den Namen meines Partner. Ich sah von fern wie ich mich in meinem Bett aufgesetzt hatte und rief. Mein Partner sagte: Ich bin hier. Es klang von ganz weit entfernt, ganz leise. Ich rief noch einmal ganz laut seinen Namen. Wieder sagte er: Ich bin hier. Das klang schon etwas näher. Dann rief ich ein drittes mal. Er sagte wieder: Ich bin hier. Und nahm meine Hand und dann war ich wieder da. Ich fiel zurück in mein Kissen. Ich hörte noch wie er mich fragte, ob er mir ein Glas Wasser holen soll. Aber ich bin dann sofort eingeschlafen.

Die nächsten Tage fühlte ich mich sehr traurig. So ein Gefühl, als ob man totmüde ist und jemand einem ein warmes, weiches Bett angeboten hat man sich jedoch dazu entschließt wach zu bleiben und es nicht zu nutzen. Es hat mir gut getan, diese Trauer nicht mit den Worten zu unterdrücken: Du willst ja wohl nicht sterben und blahblahblah. Nein, will ich nicht. Und doch war es gut für mich zuzugeben, dass es schön war. Wer will kann jetzt darüber denken was er will.

Ich habe meinem Partner erzählt, was mit mir los war und er war sprachlos, was ich gut verstehen kann. Ich habe mit ein paar Druiden meines Hains darüber gesprochen und sie gaben mir den guten Rat einmal Abstand zu nehmen um zu untersuchen, wieso mein Geist offenbar das Sommerland als eine Alternative zu meinem jetzigen Leben in Erwägung gezogen hat und um eine Lösung zu finden. Das habe ich dann auch getan. Ich habe mir ein kleines Häuschen im Vogelsberg gemietet, mit einer Feuerstelle drinnen und draußen, direkt am Wald und an einem kleinen Teich gelegen.

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