Montag, 12. November 2007

Der Zug der Wildgänse(3)

Als ich am nächsten Tag aufwachte sah ich vom Kissen aus durch das Fenster in den Himmel. Er war freundlich und blau. Ich setzte mich im Bett auf und lächelte. Ich genoss mein elementares Frühstück. Dann hatte ich eine neue Idee. Ich entschloss mich Tee zu kaufen. Dazu musste ich sechs Kilometer in den nächsten Ort laufen. Als ich aus dem Haus kam schien mir die Luft wie im Vorfrühling. Sie roch frisch und die Sonne schien warm. Zunächst ging ich an einigen dunkelbraunen, frisch umgepflügten Feldern vorbei. Dies, dachte ich, ist der Tag der Erde und des Feuers, gestern war der Tag des Wassers und der Luft. Ich kam an einer großen Herde Gänse vorbei, mit um die hundert Tieren die auf einer Futterweide grasten. Ich stand eine Weile am Rande des Zauns und lachte über ihr geschnatter und gezische mit dem sie mich fortzuscheuchen gedachten. Wir treu und tapfer diese Vögel doch sind, wenn es darum geht ihr Rudel zu verteidigen.

Dann kam ich in einen Wald. Er war ganz anders im Vergleich zu dem am vorherigen Tag. Tief braune und rote Farben stiegen in einem schweren holzigen Geruch nach Erde auf. Glizernde Sonnenstrahlen spielten auf den letzten goldenen Blättern des Herbstes. An einer Kreuzung war ich mir nicht sicher wo ich abbiegen sollte. Auf der Karte sah es so aus, als müsste ich links abbiegen, aber ich hatte das Gefühl, dass ich geradeaus gehen muss. Also ging ich geradeaus. Dieser Weg wurde mit der Zeit immer undeutlicher. Dann sah ich eine kleine hölzerne, zerfallene Hütte. Das war mir unheimlich. Ich dachte kurz darüber nach wieso eigentlich und entdeckte, dass ich generell die Angst habe plötzlich aus dem Hinterhalt attackiert zu werden. Und ich dachte an die Angst die ich einen Tag zuvor an der einen Stelle ausgestanden hatte. Das fand ich sehr aufschlussreich. Ich ging an der Hütte vorbei und schaute sie mir dabei von weitem an. Alles war voller Bretter und Baumstämmen. Die Tür war halb aus den Angeln geraten und man sah, dass von innen auch alles voller Bretter stand. Irgendwie verschwand der Weg dann vollends im Gestrüpp und ich ging durch das Unterholz weiter.

Ich kam an den Waldrand. Die Sonne schien durch die Zweige von Buchen und Eichen. Ich blieb stehen, weil ich einen Specht klopfen hörte. Es überkam ich ein starkes Gefühl von Wohlbefinden und ich setzte mich auf einen Baumstamm. Um so länger ich dort saß umso mehr wurde der Wald um mich herum lebendig. Ich sah Eichhörnchen und Vögel wie sie in Kreisen um die Baumstämme liefen wie in einem Spiel. Die Blätter, die an den Bäumen übrig geblieben waren, begannen zu flüstern. Mehrere Spechte klopften. Mir kam in den Sinn, dass Spechte früher als Tiere der Wiedergeburt galten, weil sie sich in Spiralen um den Baum herum bewegen. Die Sonne erwärmte mein Gesicht.
Als ich aus dem Wald heraus trat, kam ich etwa 50 Meter von der Abzweigung entfernt wieder zum Vorschein, von der ich meinen Weg verlassen hatte.

Eine halbe Stunde später kam ich in dem Ort an zu dem ich eigentlich unterwegs war. Da war ein kleiner Bahnhof und ich entschloss mich kurzerhand mit dem Bummelzug zwei Stationen weiter zu fahren. Ich kam in einer kleinen Fachwerk-Stadt an. Dort kaufte ich mir Tee und ein Paar warme Socken mit Fell innendrin, weil meine Füße immer so kalt sind.

Dann ging ich in einen Buchladen. Ich nahm ein Buch in die Hand, welches mich vom äußeren her ansprach und öffnete es mittendrin um einmal hinein zu lesen. Ich laß die Zeilen: "Alles verändert sich früher oder später. Doch jede Veränderung hat ihre eigene Zeit." Ich klappte das Buch zu und kaufte es. Heiter machte ich mich auf den Heimweg.

In der Nähe meines Häuschens war ja ein kleiner Teich. Als ich daran vorbei ging, trugen mich meine Füße plötzlich vom Weg ab direkt zum Wasser. Ich stellte meine Tasche an den Rand und ging auf einen Steg der über das Wasser hing. Dort setzte ich mich hin. Der Teich lag da in Stille und spiegelte den dunkelblauen Himmel, die schwarzen Bäume und den silbernen Mond wie ein perfekter Spiegel. Ein paar Enten zogen ihre Kreise über dem stillen Wasser und landeten dann auf seiner Oberfläche. Das Wasser kräuselte sich leicht. Als ich die Kräuselung betrachtete empfand ich etwas, dass ich seit einiger Zeit vermisst hatte: das Gefühl für innere Stärke. Die Abwesenheit dieses Gefühls hatte in mir seit einiger Zeit Leid erzeugt.

Im inneren tief befriedigt kehrte ich zu meinem Häuschen zurück und zündete mir wieder mein Feuer an. Ich dachte lange darüber nach, was ich vom Teich gelernt hatte und fasste dann meine Gedanken, wie Druiden das so tun, zu einer Triade zusammen. Auf diese Weise kann ich meine Gedanken in kurzer Form zusammen fassen. Ich habe die Triade dann auswendig gelernt, damit ich mich immer wieder daran erinnern kann, falls ich sie brauche. Hier ist sie

Three sources of inner strength: trustfully playfullness, being true to my values, content thankfullness.

To trust the path of my life, so that I can handle my tasks playfully, is the essence of my inner strength. If this is hidden for me, I'll find it back by remembering and following my values. Thankfulness will deepen my inner strength by connecting me with the great spirit of life which lies within everything.

Auf Deutsch:

Drei Quellen der inneren Stärke: vertrauende Verspieltheit, Aufrichtigkeit gegenüber meinen eigenen Werten, zufriedene Dankbarkeit

Dem Weg meines Lebens zu vertrauen, so dass ich meine Aufgaben als Spiel erkennen kann, ist das Wesen meiner inneren Stärke. Ist diese vor mir verborgen, kann ich sie wiederfinden indem ich mich an meine eigenen Werte erinnere. Dankbarkeit vertieft meine innere Stärke, da sie mich mit dem großen Geist des Lebens verbindet welcher in allen Dingen liegt.

Am nächsten Tag bin ich abgereist.

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