Sonntag, 24. August 2008

wunderbarer Apfel


Bild: pixelio.de/ ger.hardt

Der Apfel ist so eine wunderbare Frucht. Geliebt von den Heiden verteufelt von den Christen? Was wissen wir wirklich über ihn? Ich selbst musste zugeben, dass ich gar nicht viel weiß, also habe ich mich mal auf die Suche gemacht und ein paar Dinge zusammen getragen.

Im frühen Griechenland, in Israel und der ägyptischen Hochkutur gab es die Äpfel, wie wir sie heute kennen noch nicht. Holzäpfel hingegen gab es im nördlichen Europa bereits zur jüngeren Steinzeit in Italien sogar noch etwas früher. Im ersten Jahrhunder nach Christus jedoch kannte zum Beispiel Plinius schon ca. 30 Sorten veredelter Äpfel und es existieren detaillierte Aufzeichnungen zur Vermehrugsmethoden und gärtnerischen Erziehung von Äpfeln. Diese Wissen stammt eventuell aus dem persichen Reich, da dort die pralle, runde Form des Apfels bereits lange vor unserer Zeitrechnung als Symbol der Macht des Herrschers verwendet wurde. Herodot zum Beispiel berichtet, dass die eintausend Mann die dem Herrscher des Hofes von Xeres am nächsten standen goldene Äpfel auf ihren Speerspitzen trugen. Und weitere neuntausend Mann einen silbernen Apfel. Das war etwa 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung.

Hundert Jahre später ist auch Alexander der Große davon sehr beeindruckt und führt dieses Machtsymbol auch bei seinen Kampfgefährten ein. Später hat auch bei uns der Reichsapfel als Symbol der Macht Generationen von Kaisern und Königen bis zum Ende der Monarchie als Insignium der Würde begleitet.

Vielfach wird der Apfel in der christlichen Anschuung als Wurzel allen Übels angesehen. Wie Sprichwörter wie:

* Malum ex malo ( Alles Unheil kommt vom Apfel, Mittelalter)

* Wenn du mit dem Teufel zum Apfelpflücken gehen willst, bist du um Apfel und Korb betrogen (aus Litauen)

zeigen. Jedoch geht vielfach die Schuld vom unschuldigen Apfel auf die Schuldige Eva über (man hätte den Apfel der Erkenntnis ja nicht essen müssen, wenn da nicht die böse verführerische Eva gewesen wäre). Zum Ausdruck gebracht durch Sprichwörter wie:

* Der Apfel, den Frau Eva brach, uns herzog alle Ungemach.

Dabei war der Apfel einer der ersten Sammelfrüchte und vieles was im nachhinein als Apfel umgedichtet wurde, war gar keiner. Die Benennung für bestimmt Pflanzen änderte sich oft, und viele Pflanzen trugen früher oft den selben Namen. So wurden zum Beispiel Apfel, Quitte, Granatapfel aber auch Feigen oft mit dem gleichen Namen im Volk benannt. Warum Eva jedoch niemals von der Anhaftung des Bösen (malus = böse) durch den Apfel befreit wurde, darauf kommen wir gleich zurück. Es liegt darin eine gewisse Schizophrenie, da auch , kaum einer weiß es, die Überwindung des Todes durch die Errettung durch christus mit dem Apfel symbolisiert wurde.

Schauen wir jedoch zuerst in den damals so viel weiter fortgeschrittenen Orient. Bei den Hebräern hieß der Apfel auch "der Duftende" und "der Hauchende". Den Orientalen war der Duft einer Pflanze die Form der Lebensäußerung (ist doch ein phantastischer Gedanke !) ebenso, wie für den Menschen das Sprechen oder Atmen. Durch diese Parallelisierung von Duft und Wort wurde gerade der Apfel zum Symbol des Gotteswortes. König Salomo sagt nicht umsonst: "Ein gutes, zur rechten Zeit gesprochenes Wort, ist wie ein goldener Apfel." Der Apfel ist also reingewaschen und zurück bleibt die wollüstige, verführerische Eva.

Was hier passiert, ist die Aufspaltung, bzw. Manipulation eines Symbols. Wir kennen den Apfel natürlich auch in seiner ältesten Form: der Liebesapfel. Tatsächlich war der Apfel bei Völkern auf der ganzen Welt zu allen Zeiten das Symbol der werbenden Liebe, welche erobern und besitzen will (Verbindung zur Macht oben). So waren zum Beispiel die heiligen Haine der griechischen Liebesgöttin Aphrodite mit Apfelbäumen bepflanzt:
"Hierher aus Kreta, komm zu diesem Tempel, dem heiligen! Wo dir ein reizender schöner Hain steht von Apfelbäumen und Altäre, die beräuchert sind mit Weihrauch. Darin ein Wasser, kühl, das leise rauscht durch Zweige von Apfelbäumen. Von Rosen ist der ganze Platz rings beschattet, und herab von den leicht bewegten Blättern senkt schwerer Schlaf sich." (Sappho von Kreta 7 Jh. vor u.Z) (übrigens sind Äpfel Rosengewächse)
Bei Aristophanes (etwa 5. Jh.v.u.z.) wird sogar davor gewarnt, in das Haus der Tänzerinnen zu gehen, damit man von ihnen nicht mit Äpfeln beworfen und dadurch zur Unzucht aufgefordert würde.
Doch auch die Chinesen wissen den Apfel als Lustsymbol durchaus zu interpretieren, so hießen zum Beispiel die Betten in den Freudenvierteln Pingkang, was soviel heißt wie "Apfelbett.

Im Mittelalter gab es bei uns das Sprichwort: "Sie hat des Apfels Kunde nit", was so viel bedeutete, dass sie noch Jungfrau war. Auf der anderen Seite jedoch gibt es viele Abbildungen in welchen Maria mit dem Christuskind gezeigt wird, in welcher sie einen Apfel trägt oder ihrem Sohn reicht.

Wie immer wieder klar wird, stellte der Apfel ein tiefgreifendes Problem für die christliche Kirche dar. Um dieses Symbol umzudeuten war eine Reihe schwerwiegender Aufspaltungen nötig. So blieb denn auch das verführerische und erotische des Apfels an Eva hängen, da die Kirche auf den Macht und Wissen repräsentierenden Apfel auf der einen Seite nicht verzichten konnte, da sie das Wissens- und Machtmonopol für sich beanspruchte, jedoch auf der anderen Seite das "Fleischliche" als Böse und Verwerflich betrachtete, so dass dieser Aspekt des Apfels von ihm abgeschnitten werden musste. Da kann ich nur mit dem Sprichwort kontern:
"Der schönste Apfel hat oft einen Wurm."

Die umdeutung war eine schwierige Sache. So lötete man denn irgendwann dem Reichsapfel eine Kreuz oben drauf, so dass der träger des Apfels der "allerchristlichste Herrscher" von unfehlbarerer Reinheit sein konnte. Aber alles was weiter ging, war schon fast ein Ding der Unmöglichkeit, dank der unheimlich erotischen Ausstrahlung des Apfels. Es blieb also oft nichts übrig als solche Vorkommnisse auszulöschen.
Beispiel: Karl der Große ließ in Magdeburg einmal ein Bild der Frigg zerstören auf dem sie mit einem Myrthenkranz abgebildet war und auf dem sie in der linken Hand drei goldene Äpfel trug. Hinter ihr standen drei verschleierte Mädchen von welchen jede auch wieder einen Apfel in der Hand hielt.

Für alle die nun immer wieder ungeduldig gedacht haben: Ja aber....

Bei den Kelten hatten Äpfel von jeher den Ruf magische Kräfte zu verleihen, ewige Jugend zu schenken ("An apple a day keeps the doctor away" - Ein Apfel am Tag hält den Doktor fern) und sogar den Tod zu überwinden. Den Kelten galt der Apfel als Symbol spirituellen Wissens und der Heiligkeit der Fruchtbarkeit. Das Avalon der kelteischen Mythologie ist eine im Nebel verborgene Insel der Apfelbäume.
Dieses Land wird auch als Tir Nan Og bezeichnet, was soviel heißt, wie "das Land der ewigen Jugend". Der sterbende König Artus wird zum letzen mal auf einer Barke liegend gesehen, wie er Richtung Sonnenuntergang ins "Land der Gesegneten" gebracht wird, auf die Insel Avalon = Apfel.

In einer walisischen Sage verliebt sich ein Bauer in die Nymphe eines Sees. Er schafft es sich ihr zu nähern, indem er sie mit einem seltenen und köstlichen Apfel von besonderer Güte herbei lockt und sie für sich gewinnt.

Wie man sich denken kann, war es für die keltischen Neubekehrten sehr schwierig die Parole der Kirche: "Malum ex malo" (siehe oben) nachzuvollziehen, da wir ja nun gesehen haben, dass der Apfel seit jeher als Quell der Jugend und Weisheit betrachtet wurde.

Der Apfel ist also eine magische Frucht. Hier der Beweis zum Selberbasteln: Augenzwinkern

Nehmt einmal einen Apfel und ein Messer. Schneidet den Apfel der Breite nach in der Mitte durch. Also nicht von Stiel zu Blüte, sondern einmal rundherum an der rundesten Stelle. Klappt den Apfel auf und auch ihr habt den Beweis auf der Hand: Im inneren seht ihr einen fünfstrahligen Stern, das Symbol der Erdgöttin. großes Grinsen Also wen dieses Autogramm nicht überzeugt...

Wer auf schriftliches fixiert ist, wird beispielsweise im Black Book of Carmarthen fündig:
"Süßer Apfelbaum, du goldenes Gehölz, da am Rande wächst, ich prophezeie eine Schlacht im Lande der Pikten, die Ihre Grenze mit den Männern aus Dublin verteidigen. In sieben Schiffen werden sie über einen weiten See kommen, und Siebenhundert stark über das Meer, um uns zu besiegen; [...]

Süßer Apfelbaum, der am Flußufer wächst - aufgrund der Strömung kann kein Steward seine glitzernde Frucht erreichen - als ich noch im rechten Geiste war, konnte man mich an seinem Fuße finden, mit einer schönen, verspielten Maid, einer schlanken Geliebten. Zehn Jahre und dreimal zwanzig habe ich mich durch zwanzig Anfälle Wahnsinn bewegt, mit Wilden in der Wildnis [...] Ich schlafe nicht, ich zittere [...]

Süßer Apfelbaum mit fuchsienrosafarbenen Blüten, der geheim im Walde von Celyddon wächst, [...] Die Waliser werden gewinnen, siegreich wird ihr Drachen sein: Alle werden wieder ihre Rechte haben, die Ethik der Brythen wird hoch sein, die Hörner des Feierns werden geblasen werden, das Lied des Friedens, des Wohlstands." (aus: Merlies Apfelbäume)

Was wir hier vorfinden ist Merlin der über die schrecklichen Kriege seiner Zeit der Welt müde geworden ist und die Apfelbäume beschwört (letzlich findet er jedoch seinen Frieden unter einem Weißdorn, der ebenso wie der Apfel zu den Rosengewächen gehört.)


Zum Schluss noch etwas Praxis:

Äpfel stärken den gesamten Stoffwechsel, regulieren die Verdauung, regen die Blutbildung an und fördern den Fettstoffewechsel und die Entschlackung. Dabei ist das Apfelrezept so einfach: Iß ihn einfach !

Bei Durchfall helfen 2-4 geriebene Äpfel dreimal täglich in Begleitung unterstützender Kräutertees.

Apfelschalentee stimuliert die Blase wirkt fiebersenkend und entspannt das Nervensystem.

Bachblüten: Crab Apple

Schwäche: Gefühl von Unreinheit, Ekel vor sich selbst, extreme Abscheu vor Unordnung, Schmutz, Insekten oder Bakterien, Verzerrung der Proportionen (Essstörungen !) Detailkrämer.

Stärke: Reinigung von Geist, Seele und Körper

Stärken die Crab Apple verleiht:
- Ich fühle mich wohl.
- Ich nehme mich an, wie ich bin.
- Ich sehe, was wichtig ist.

1 Kommentar:

Juansi hat gesagt…

Hallo Mariamne,

Du hast gut und auch mit dem Herzen recherchiert, und es war eine Freude, bei Dir zu lesen. Ich fühle mich dazu inspiriert, in meinen Blog auch eine Apfelgeschichte zu schreiben. Muss bloß noch ein schönes Foto suchen gehen. Dein Apfelfoto hat mir sehr gut gefallen.

Lieben Gruß
Juansi (auch eine Waldfrau)