Freitag, 5. September 2008

Welche Blumen gehören in den Korb?

pixelio.de/Albrecht E. Arnold


habt ihr schon mal jemandem einen Korb gegeben? Es gibt sicherlich mehrere Wurzeln für diese Redensart, ein paar will ich euch hier mal zeigen. Früher ließen Mädchen unerwünschten Freiern einen verdeckten Korb mit gesammelten Kräutern zukommen. Diese Pflanzen wurden als Schabab bezeichnet:

"Gut gesell, und du mußt wandern / Das megdelein liebet einen andern,/Welches ich geliebt habt, /Bey der bin ich schabab" (Kölner Liederbuch 1580)

oder auch:

"Kein anderen dank krieg ich davon /leer stroh hab' ich gedroschen /ein körbel schabab ist mein Lohn / die lieb ist ausgedroschen."(Ludwig Uhland 16.Jhd.)

Welche Kräuter gehören aber in so einen verdeckten Korb?

1. Jungfer im Grünen - Nigella damascena

Klassisches Symbol der verschmähten Liebe (bereits im 16.Jh von Konrad Gessner und Tabernaemontanus benannt). Wahrscheinlich geht das auf die Beschaffenheit der Blume zurück: die Löffelhöhle, in welcher sie den Nektar aufbewahrt, wird von einem kräftigen, federnden Deckel verschlossen, so dass nur sehr kräftige Insekten diesen Nektar holen können, nach dem Motto : Schabab mit den Schwachen, her mit dem Starken.

2.Schafgarbe - Achillea millefolium

Schafgarben als stark nach Verbreitung strebende Pflanzen, sind keine guten Nachbarn und Vieh mag diese Pflanze wegen ihrer starken Bitterstoffe nicht gern im Heu. Ein Volkslied über die Achillea aus dem 16. Jahrhundert bezeichnet diese ebenfalls als Schabab:
"Weiß mir ein Blümlein weiße, / stand mir im Grünen Gras, /gewachsen mit ganzem Fleiße, /das heißt nun gar Schabab. /Dasselbe muß ich tragen, / wohl diesen Sommer lang, /viel lieber wöllt ich haben /meins Buhlen Arm umbgang."

3. Konrade - Agrostemma githago

Diese zählt, dank ihres Aussehens (rote, spitz hervorstechende Blüten) zu den Gewitterblumen. Gewitterblumen durften nicht ins Haus geholt werden, da man glaubte, dass sie Blitze anziehen. Außerdem war die Konrade bei Bauern sehr verhaßt, da sie, wenn einige ihrer Samen ins Korn gerieten das Mehl blau färbten, welches dann kaum noch zu verkaufen war. Heut zutage ist dies Pflanze leider fast ausgerottet.

4. Kornblume - Centaurea cyanus

Auch Kornblumen durften nicht ins Haus gebracht wurden, weil man glaubte, dass dadurch das Brot schimmeln würde. Auch auf dem Äckern zählten sie, wie viele Schabab-Pflanzen, zu den ungeliebtesten. Bauern nannten Kornblumen unliebsam "doller Hund", "Ziegenbein" oder auch "Roggenhund".
Die festen Stiele der Kornblumen machten die Sensen stumpf, so dass sie häufiger nachgeschärft werden mussten, wenn viele Kornblumen im Getreide standen.

5.Wegwarte - Cichorium intybus

Ohne weitere Begründung finden wir bei Hildegard von Bingen, dass Träger von Wegwarte von anderen Menschen gehaßt werden. Allerdings zählte man auch die Wegwarte zu den Gewitterblumen und das hatte folgenden Grund: Die Blüten der Wegwarte färben sich leicht von Blau nach Rot, sobald man den blühenden Stiel in einen Ameisenhaufen steckt (chemische Reaktion des Farbstoffes mit der Ameisensäure)

6. Kreuzkraut - Senecio vulgaris

Der Name Kreuzkraut hat nicht mit christlicher Überlieferung zu tun, sondern ist eine Ableitung vom Begriff "früher Greis". Das liegt daran, dass die Pflanze während einer Vegetationsperiode oft mehrere Generationen hervorbringt. Wegen dieser verschwenderischen Ausbreitung, war das Kreuzkraut so gefürchtet, dass später per Reichsverordnung die Polizei die Ausrottung dieser Pflanze überwachen musste.

7. Augentrost - Euphrasia rostkoviana

Früher hieß diese Pflanze auch "Milchschelm" oder "Milchdieb". Sie schädigt umliegende Gräser und vermindert so den Milchertrag des Viehs. Darüber hinaus gilt sie ebenfalls als Gewitterblume. Eine andere Bezeichnung für Augentrost, war auch "Spöttlich", da sie relativ oft als Schababkraut verwendet wurde.

(8. Salbeistengel)

In der französischen Schweiz fügten die Frauen oft auch noch einen dicken Salbeistengel dem Schabab-Korb hinzu. Menschen mit einem feinen Geruchsinn, empfinden den starken Duft, besonders in geschlossenen Räumen, als Geruch nach altem Schweiß oder Hundekot.

Statt eines verdeckten Korbes, wurden auch Kopfkränze aus dürrem Erbsenstroh oder Weidenzweigen verwendet. Ein bei uns nicht mehr so geläufiges Sprichwort, war zu dieser Zeit: "Jemandem einen Erbsenkranz geben", was für denjenigen bedeutete, dass er als Jungeselle sterben muss.

Eines der ältesten Sprichwörter ist jedoch: "Durch den Korb fallen lassen."
Im Mittelalter führte oft der einzige Weg eines Liebhabers zu seiner Minne über einen Korb, der von den Helfern des Liebespaares an der Burgmauer hoch gezogen wurde. Wollte die Minne ihm jedoch einen spöttischen "Schabab" geben, so verwendete sie hierzu einen Korb mit einem brüchigen Boden, so dass der Werber beim Hochziehen unten durch fiel.

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